Die Lizenzierung von Unternehmenssoftware gehört zu den Bereichen der IT-Administration, die häufig unterschätzt werden. Gerade bei komplexen Plattformen wie HCL Domino kann eine unklare Lizenzstruktur schnell zu Unsicherheiten führen – sowohl finanziell als auch rechtlich. Im Jahr 2026 hat HCL eine wichtige Anpassung im Renewal-Prozess für Domino-Lizenzen vorgenommen, die vielen Unternehmen das Lizenzmanagement deutlich erleichtern dürfte.
Im Mittelpunkt dieser Änderung steht die Domino License Analysis Utility (DLAU), ein Tool zur Analyse des tatsächlichen Lizenzbedarfs einer Domino-Umgebung. Während in den vergangenen Jahren bei vielen Vertragsverlängerungen ein aktueller DLAU-Report erforderlich war, wird diese Pflicht nun deutlich gelockert. Viele Unternehmen können ihre Domino-Lizenzen künftig verlängern, ohne zuvor eine vollständige Analyse ihrer Umgebung durchführen zu müssen.
Damit reagiert HCL auf die Entwicklung der letzten Jahre: Die Domino-Lizenzierung hat sich stabilisiert, und die meisten Organisationen haben ihre Lizenzmodelle inzwischen an die neue Struktur angepasst.
Warum HCL den Renewal-Prozess vereinfacht hat
Der Hintergrund dieser Änderung liegt in der Entwicklung der Domino-Lizenzierung in den letzten Jahren. Mit der Einführung des Domino Complete Collaboration (CCB) Modells wurde die Lizenzierung grundlegend auf ein benutzerbasiertes System umgestellt.
Frühere Domino-Lizenzmodelle orientierten sich häufig an technischen Parametern wie:
- Servern
- Prozessoren
- Installationen
- klassischen Client-Access-Lizenzen
Diese Modelle waren in modernen IT-Umgebungen zunehmend schwer zu verwalten. Besonders in Cloud- oder Hybrid-Architekturen konnte die tatsächliche Nutzung der Software nur schwer nachvollzogen werden.
Mit der Einführung von CCB-Lizenzen änderte sich dieser Ansatz grundlegend. Statt Server oder Infrastruktur zu lizenzieren, steht nun die tatsächliche Nutzung durch Benutzer im Mittelpunkt.
Laut HCL hat sich dieses Modell inzwischen weitgehend durchgesetzt:
- 97 % der Domino-Kunden nutzen das CCB-Lizenzmodell
- 74 % verwenden bereits Term-Lizenzen im Subscription-Modell
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass sich das neue Lizenzmodell inzwischen etabliert hat. Viele Unternehmen haben ihre Benutzerzahlen bereits korrekt dimensioniert und verfügen über stabile Lizenzstrukturen.
Vor diesem Hintergrund konnte HCL den Renewal-Prozess vereinfachen.
Neue DLAU-Regeln für Renewals
Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Rolle der Domino License Analysis Utility (DLAU) im Renewal-Prozess.
In der Vergangenheit verlangte HCL bei vielen Vertragsverlängerungen einen aktuellen DLAU-Report. Dieser sollte sicherstellen, dass die Anzahl der lizenzierten Benutzer mit der tatsächlichen Nutzung der Domino-Umgebung übereinstimmt.
Mit den neuen Regeln für 2026 wird diese Pflicht deutlich gelockert.
Ein DLAU-Report ist künftig nur noch in bestimmten Situationen erforderlich.
Übersicht der neuen Regeln
| Szenario | DLAU erforderlich |
|---|---|
| Renewal ohne Änderung der Benutzerzahl | nein |
| Erhöhung der Lizenzanzahl | nein |
| Reduktion der Lizenzanzahl unter 10 % | nein |
| Reduktion der Lizenzanzahl über 10 % | ja oder Self Declaration |
Damit können viele Domino-Kunden ihre Lizenzen verlängern, ohne zuvor eine vollständige Analyse ihrer Umgebung durchführen zu müssen.
Besonders für große Domino-Installationen stellt dies eine erhebliche Vereinfachung dar.
Was genau ist die Domino License Analysis Utility (DLAU)?
Die Domino License Analysis Utility (DLAU) ist ein Analyse-Tool von HCL, das entwickelt wurde, um den tatsächlichen Lizenzbedarf einer Domino-Umgebung zu ermitteln.
In vielen Domino-Installationen existieren im Laufe der Jahre zahlreiche Benutzerkonten und Identitäten. Dazu gehören beispielsweise:
- Mitarbeiterkonten
- technische Service-Accounts
- Administrator-Konten
- externe Benutzer
- historische oder nicht mehr aktive Benutzer
Ohne eine systematische Analyse ist es oft schwierig zu bestimmen, wie viele dieser Konten tatsächlich lizenzpflichtig sind.
Hier setzt die DLAU an.
Das Tool analysiert verschiedene Datenquellen innerhalb einer Domino-Umgebung, darunter:
- Domino-Verzeichnisse
- Serverdaten
- Benutzerkonten
- Zugriffsrechte
Auf Basis dieser Informationen erstellt DLAU einen detaillierten Report über die tatsächliche Nutzung.
Welche Benutzer erkennt DLAU?
Die Analyse unterscheidet mehrere Benutzerkategorien, die für die Lizenzierung relevant sind.
Authorized User
Dies sind interne Benutzer eines Unternehmens, beispielsweise Mitarbeiter oder Administratoren. Sie benötigen in der Regel eine CCB-Lizenz.
Known Guest
Dabei handelt es sich um externe Benutzer mit eingeschränkten Rechten, beispielsweise Gäste mit begrenztem Zugriff auf Anwendungen.
CCX-User
Diese Kategorie umfasst externe Benutzer mit erweiterten Zugriffsmöglichkeiten auf Domino-Anwendungen. Für diese Nutzer wird typischerweise eine CCX-Lizenz benötigt.
Durch diese Differenzierung kann DLAU sehr genau bestimmen, wie viele Lizenzen tatsächlich erforderlich sind.
Warum DLAU weiterhin wichtig bleibt
Auch wenn ein DLAU-Report künftig nicht mehr bei jedem Renewal erforderlich ist, bleibt das Tool ein zentraler Bestandteil des Domino-Lizenzmanagements.
Gerade in komplexen Domino-Umgebungen kann eine Analyse weiterhin sinnvoll sein.
Typische Szenarien sind beispielsweise:
- Einführung neuer Domino-Anwendungen
- Integration externer Benutzer oder Partner
- Konsolidierung mehrerer Domino-Server
- Optimierung der Lizenzkosten
In solchen Situationen kann ein DLAU-Report helfen, ein realistisches Bild der tatsächlichen Nutzung zu erhalten.
Viele Unternehmen führen daher weiterhin regelmäßige Lizenzanalysen durch – auch wenn diese nicht zwingend vorgeschrieben sind.
Term-Lizenzen und Perpetual-Lizenzen
Neben der Benutzeranzahl spielt auch das Vertragsmodell der Lizenz eine wichtige Rolle.
HCL bietet Domino grundsätzlich in zwei Varianten an:
- Term-Lizenzen
- Perpetual-Lizenzen
Term-Lizenzen
Term-Lizenzen basieren auf einem Abonnementmodell. Unternehmen zahlen eine regelmäßige Gebühr für die Nutzung der Software über einen definierten Zeitraum.
Typischerweise beinhaltet eine Term-Lizenz:
- Nutzungsrecht der Software
- Supportleistungen
- Wartung
- Updates auf neue Domino-Versionen
Dieses Modell ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Viele Unternehmen bevorzugen es, da keine großen einmaligen Investitionen erforderlich sind.
Gerade in modernen IT-Umgebungen mit Cloud- oder Hybrid-Infrastrukturen passt dieses Modell gut zu anderen Subscription-Services.
Perpetual-Lizenzen
Die Perpetual-Lizenz ist das klassische Kaufmodell.
Hier erwerben Unternehmen ein dauerhaftes Nutzungsrecht an der Software.
Support und Wartung werden über separate Wartungsverträge geregelt.
Typische Eigenschaften sind:
- einmalige Lizenzkosten
- langfristige Nutzung
- optionaler Wartungsvertrag
Dieses Modell wird häufig von Organisationen genutzt, die ihre Domino-Umgebung über viele Jahre stabil betreiben möchten.
CCB – Lizenzierung für interne Benutzer
Die wichtigste Lizenz im Domino-Ökosystem ist CCB (Complete Collaboration Business Edition).
Diese Lizenz wird für interne Benutzer eines Unternehmens eingesetzt.
Jeder Mitarbeiter oder interne Nutzer, der Zugriff auf Domino-Systeme hat, benötigt eine entsprechende CCB-Lizenz.
Ein Authorized User erhält damit Zugriff auf verschiedene Domino-Komponenten:
- Domino Server
- Notes Client
- Verse
- Nomad
- Traveler
- Domino REST APIs
- Domino Designer
Ein entscheidender Vorteil besteht darin, dass die Lizenz an den Benutzer gebunden ist und nicht an einen bestimmten Server.
Ein Benutzer kann somit auf mehrere Domino-Server zugreifen, ohne zusätzliche Lizenzen zu benötigen.
CCX – Lizenzierung für externe Benutzer
Neben internen Mitarbeitern greifen in vielen Domino-Umgebungen auch externe Nutzer auf Anwendungen zu.
Typische Beispiele sind:
- Kundenportale
- Lieferantenplattformen
- Partnerportale
- webbasierte Domino-Applikationen
Für diese Szenarien bietet HCL die CCX-Lizenz (Complete Collaboration External Users).
Diese Lizenz richtet sich speziell an Benutzer außerhalb des Unternehmens.
Wichtige Eigenschaften der CCX-Lizenz:
- Zugriff auf Domino-Anwendungen
- Editor-Rechte möglich
- keine persönliche Mailbox
- ausschließlich als Term-Lizenz verfügbar
Eine Besonderheit besteht darin, dass CCX-Lizenzen nach einer Inaktivitätsperiode von 30 Tagen neu zugewiesen werden können.
Damit lassen sich Domino-Anwendungen wirtschaftlich auch für größere Gruppen externer Nutzer betreiben.
Typische Herausforderungen bei der Domino-Lizenzierung
Auch wenn die heutige Domino-Lizenzierung deutlich einfacher aufgebaut ist als frühere Modelle, treten in der Praxis weiterhin typische Herausforderungen auf.
Dazu gehören unter anderem:
- unklare Benutzerzählungen
- technische Accounts oder Service-IDs
- falsch klassifizierte externe Benutzer
- historische Benutzerkonten im Domino-Verzeichnis
Gerade in älteren Domino-Umgebungen kann es schwierig sein, die tatsächliche Anzahl lizenzpflichtiger Benutzer zu bestimmen.
In solchen Fällen kann eine strukturierte Analyse – beispielsweise mit einem DLAU-Report – sinnvoll sein.
Unterstützung bei Domino-Lizenzanalysen
Viele Organisationen greifen bei der Analyse ihrer Domino-Lizenzierung auf spezialisierte Partner zurück.
Ein erfahrener HCL Gold Partner im deutschsprachigen Raum ist die Bücker GmbH.
Das Unternehmen unterstützt Organisationen unter anderem bei:
- der Analyse von Domino-Umgebungen
- der Auswertung von DLAU-Reports
- der Planung von Domino-Renewals
- der Optimierung von CCB- und CCX-Lizenzmodellen
Eine kostenlose und unabhängige Beratung ist unter folgendem Link möglich: https://bueckergmbh.de/home/ibm-hcl-lizenzmanagement
Fazit: Domino-Lizenzierung wird einfacher
Mit den neuen Renewal-Regeln reduziert HCL den administrativen Aufwand für viele Domino-Kunden erheblich.
Ein DLAU-Report ist künftig nur noch in bestimmten Situationen erforderlich. Unternehmen können ihre Lizenzen häufig verlängern, ohne zuvor eine vollständige Analyse ihrer Umgebung durchführen zu müssen.
Gleichzeitig bleibt die Domino License Analysis Utility ein wichtiges Werkzeug für das Lizenzmanagement, insbesondere bei komplexen Domino-Umgebungen.
Mit der klaren Struktur aus CCB-Lizenzen für interne Nutzer, CCX-Lizenzen für externe Anwender sowie der Wahl zwischen Term- und Perpetual-Verträgen bietet die Domino-Lizenzierung heute ein deutlich transparenteres Modell als frühere Generationen.
Für viele Organisationen bedeutet dies vor allem eines: weniger administrativer Aufwand und mehr Planungssicherheit im Lizenzmanagement.

